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Musik und Lieder im Kirchenjahr zum Hören

Musikalische Grüße in der Trinitatiszeit

Nun lob, mein Seel, den Herren

Kirchenlied: "Nun lob, mein Seel, den Herren"

Das Lied entstand im Umfeld von Martin Luther: Ein Gedanke der Reformatoren war die Frage, wie viel Schmuck der Gottesdienst verträgt. Darf eine Kirche mit Gemälden und Skulpturen geschmückt sein, oder ist ein schlichtes Bauwerk besser, damit die Gläubigen nicht abgelenkt werden? Wie viel Musik ist von Gott gewollt? Luther war bei diesen Fragen liberal, trotzdem war klar: die Psalmen sind biblische Texte, und: sie sind als Lieder konzipiert. Das Singen von Psalmen ist also auf jeden Fall von Gott gewollt und sollte gefördert werden, natürlich auf deutsch, während die bekannten Kirchengesänge lateinisch waren. So entstanden zur Zeit der Reformation viele Psalmenlieder, wie auch dieses, gedichtet von Johann Gramann um 1530.

Das Lied ist eine Nachdichtung des 103. Psalmes, die sich recht genau an den biblischen Psalmentext hält. So lautet die biblische Vorlage zur ersten Strophe:

Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir alle deine Sünde vergibt
und heilet alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der deinen Mund fröhlich macht
und du wieder jung wirst wie ein Adler.
Der Herr schafft Gerechtigkeit und Recht
allen, die Unrecht leiden.

Zum Vergleich die erste Strophe des Liedes:

Nun lob, mein Seel, den Herren,
was in mir ist, den Namen sein.
Sein Wohltat tut er mehren,
vergiss es nicht, o Herze mein.
Hat dir dein Sünd vergeben
und heilt dein Schwachheit groß,
errett′ dein armes Leben,
nimmt dich in seinen Schoß,
mit reichem Trost beschüttet,
verjüngt, dem Adler gleich;
der Herr schafft Recht, behütet,
die leidn in seinem Reich.

Die Melodie des Liedes ist geprägt durch einen fröhlichen, tänzerischen Rhythmus im Dreivierteltakt. Vermutlich diente ein Volkslied als Vorlage, so konnte sich das neue Psalmenlied schnell verbreiten, da die Menschen die Melodie ja schon kannten.

In den folgenden Jahrhunderten gehörte das Lied, das im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 289 zu finden ist, zu den populärsten evangelischen Kirchenliedern. Hier hören Sie eine Aufnahme von Michael Zagorni, gespielt auf der Orgel der Petruskirche.

Kirchenlied: "Geh aus mein Herz und suche Freud"

Den Text dieses populären Chorals dichtete Paul Gerhardt im Jahr 1653, als er gerade seine erste Pfarrstelle in Mittenwalde angetreten hatte. Der Text entstand unter dem Eindruck großer Not nach dem dreißigjährigen Krieg: der Text mit seinen schönen Naturbetrachtungen sollte Mut und Zuversicht verbreiten.

Bekannt geworden ist das Lied sicher auch wegen seiner volkstümlichen, eingängigen Melodie: die originale Melodie dieses Liedes stammt von Johann Crüger und ist heute kaum mehr bekannt. Wir singen das Lied heute nach der Melodie des Volksliedes "Die Luft ist blau, das Tal ist grün". Dieses Lied komponierte August Harder um 1810. Vermutlich war dieses Lied in der folgenden Zeit gut bekannt. Einige Jahre später mag man entdeckt haben, dass sich der alte Paul-Gerhard-Text gut auf diese populäre Melodie singen lässt. So setzte sich diese Melodie bis heute durch.

Im Evangelischen Gesangbuch steht das Lied unter der Nummer 503, Michael Zagorni spielt die Orgel der Petruskirche.

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben,
sich ausgeschmücket haben.

2. Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide;
Narzissus und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an
als Salomonis Seide,
als Salomonis Seide.

3. Die Lerche schwingt sich in die Luft,
das Täublein fliegt aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder;
die hochbegabte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder,
Berg, Hügel, Tal und Felder.

4. Die Glucke führt ihr Völklein aus,
der Storch baut und bewohnt sein Haus,
das Schwälblein speist die Jungen,
der schnelle Hirsch, das leichte Reh
ist froh und kommt aus seiner Höh
ins tiefe Gras gesprungen,
ins tiefe Gras gesprungen.

5. Die Bächlein rauschen in dem Sand
und malen sich an ihrem Rand
mit schattenreichen Myrten;
die Wiesen liegen hart dabei
und klingen ganz vom Lustgeschrei
der Schaf und ihrer Hirten,
der Schaf und ihrer Hirten.

6. Die unverdrossne Bienenschar
fliegt hin und her, sucht hier und da
ihr edle Honigspeise;
des süßen Weinstocks starker Saft
bringt täglich neue Stärk und Kraft
in seinem schwachen Reise,
in seinem schwachen Reise.

7. Der Weizen wächset mit Gewalt;
darüber jauchzet jung und alt
und rühmt die große Güte
des, der so überfließend labt
und mit so manchem Gut begabt
das menschliche Gemüte,
das menschliche Gemüte.

8. Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen,
aus meinem Herzen rinnen.

9. Ach, denk ich, bist du hier so schön
und lässt du's uns so lieblich gehn
auf dieser armen Erden:
was will doch wohl nach dieser Welt
dort in dem reichen Himmelszelt
und güldnen Schlosse werden,
und güldnen Schlosse werden!

10. Welch hohe Lust, welch heller Schein
wird wohl in Christi Garten sein!
Wie muss es da wohl klingen,
da so viel tausend Seraphim
mit unverdrossnem Mund und Stimm
ihr Halleluja singen,
ihr Halleluja singen.

11. O wär ich da! O stünd ich schon,
ach süßer Gott, vor deinem Thron
und trüge meine Palmen:
so wollt ich nach der Engel Weis
erhöhen deines Namens Preis
mit tausend schönen Psalmen,
mit tausend schönen Psalmen.

12. Doch gleichwohl will ich, weil ich noch
hier trage dieses Leibes Joch,
auch nicht gar stille schweigen;
mein Herze soll sich fort und fort
an diesem und an allem Ort
zu deinem Lobe neigen,
zu deinem Lobe neigen.

13. Hilf mir und segne meinen Geist
mit Segen, der vom Himmel fleußt,
dass ich dir stetig blühe;
gib, dass der Sommer deiner Gnad
in meiner Seele früh und spat
viel Glaubensfrüchte ziehe,
viel Glaubensfrüchte ziehe.

14. Mach in mir deinem Geiste Raum,
dass ich dir werd ein guter Baum,
und lass mich Wurzel treiben.
Verleihe, dass zu deinem Ruhm
ich deines Gartens schöne Blum
und Pflanze möge bleiben,
und Pflanze möge bleiben.

15. Erwähle mich zum Paradeis
und lass mich bis zur letzten Reis
an Leib und Seele grünen,
so will ich dir und deiner Ehr
allein und sonsten keinem mehr
hier und dort ewig dienen,
hier und dort ewig dienen.

Musikalische Grüße in der österlichen Freudenzeit

Kirchenlied "Schmückt das Fest mit Maien"

Unser wohl bekanntestes Pfingstlied steht im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 302. Populär wurde es sicher auch wegen seiner eingängigen, gut singbaren Melodie. Den Text schrieb Benjamin Schmolck, er war Pfarrer in Schweidnitz in Niederschlesien. Von ihm stammen über 1000 Lieder.

Die Maien, von denen der Text handelt, sind junge Triebe der Birke, mit denen man im Frühjahr zu besonderen Anlässen die Häuser schmückte: das Lied fordert uns also auf, zur Feier des Pfingstfestes unsere Räume festlich zu schmücken.

Viele unserer Choräle enden mit einem Ausblick auf die Ewigkeit, so ist es auch in der Schlussstrophe dieses Liedes: "...bis wir dort (...) bei den grünen Himmelsmaien ewig uns erfreuen."

Michael Zagorni spielt die Orgel der Petruskirche.

1. Schmückt das Fest mit Maien, lasset Blumen streuen, zündet Opfer an,
denn der Geist der Gnaden hat sich eingeladen, machet ihm die Bahn!
Nehmt ihn ein, so wird sein Schein euch mit
Licht und Heil erfüllen
und den Kummer stillen.

2. Tröster der Betrübten, Siegel der Geliebten, Geist voll Rat und Tat,
starker Gottesfinger, Friedensüberbringer, Licht auf unserm Pfad:
gib uns Kraft und Lebenssaft, lass uns deine teuren Gaben
zur Genüge laben. 

3. Lass die Zungen brennen, wenn wir Jesus
nennen, führ den Geist empor;
gib uns Kraft zu beten und vor Gott zu treten,
sprich du selbst uns vor.
Gib uns Mut, du höchstes Gut, tröst uns kräftiglich von oben
bei der Feinde Toben.

4. Güldner Himmelsregen, schütte deinen Segen auf der Kirche Feld;
lasse Ströme fließen, die das Land begießen, wo dein Wort hinfällt,
und verleih, dass es gedeih, hundertfältig Früchte bringe,
alles ihm gelinge.

5. Gib zu allen Dingen Wollen und Vollbringen,
führ uns ein und aus;
wohn in unsrer Seele, unser Herz erwähle dir
zum eignen Haus;
wertes Pfand, mach uns bekannt, wie wir Jesus recht erkennen
und Gott Vater nennen.

6. Hilf das Kreuz uns tragen, und in finstern Tagen sei du unser Licht;
trag nach Zions Hügeln uns mit Glaubensflügeln und verlass uns nicht,
wenn der Tod, die letzte Not, mit uns will zu Felde liegen,
dass wir fröhlich siegen.

7. Lass uns hier indessen nimmermehr vergessen, dass wir Gott verwandt;
dem lass uns stets dienen und im Guten grünen
als ein fruchtbar Land,
bis wir dort, du werter Hort, bei den grünen Himmelsmaien
ewig uns erfreuen.

 

Kirchenlied "Du meine Seele, singe"

Zum 4. Sonntag nach Ostern – dem Sonntag Kantate – spielt Michael Zagorni auf der Orgel in der Petruskirche das Lied der Woche „Du meine Seele, singe“.

Den Text dieses Liedes dichtete Paul Gerhardt im Jahre 1653 zu Beginn seiner Zeit als Pfarrer in Mittenwalde, wo er nach dem dreißigjährigen Krieg sehr schwierige Verhältnisse vorfand. Mit seiner Aufforderung zum Singen will der Text Mut machen, auch in Momenten, wo einem nicht nach Singen zumute ist.

Nach seiner Zeit in Mittenwalde wurde Paul Gerhardt an die Berliner Nikolaikirche berufen, wo er ab 1662 mit dem Kantor Johann Ebeling zusammen arbeitete. Zwischen beiden entwickelte sich eine große Freundschaft, Ebeling komponierte zahlreiche Melodien zu den Texten von Paul Gerhardt, so auch die bekannte Melodie von "Du meine Seele, singe".

Im Evangelischem Gesangbuch steht das Lied unter der Nummer 302.

1. Du meine Seele, singe, /
wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge /
zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben /
hier preisen auf der Erd;
ich will Ihn herzlich loben, /
solang ich leben werd.

2. Wohl dem, der einzig schauet /
nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet, /
der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, /
den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen /
bleibt ewig ungetrübt. 

3. Hier sind die starken Kräfte, /
die unerschöpfte Macht;
das weisen die Geschäfte, /
die Seine Hand gemacht:
der Himmel und die Erde /
mit ihrem ganzen Heer,
der Fisch unzähl'ge Herde /
im großen wilden Meer.

4. Hier sind die treuen Sinnen, /
die niemand Unrecht tun,
all denen Gutes gönnen, /
die in der Treu beruhn.
Gott hält sein Wort mit Freuden, /
und was Er spricht, geschicht,
und wer Gewalt muß leiden, /
den schützt Er im Gericht.

5. Er weiß viel tausend Weisen, /
zu retten aus dem Tod,
ernährt und gibet Speisen /
zur Zeit der Hungersnot,
macht schöne rote Wangen /
oft bei geringem Mahl;
und die da sind gefangen, /
die reißt Er aus der Qual.

6. Er ist das Licht der Blinden, /
erleuchtet ihr Gesicht;
und die sich schwach befinden, /
die stellt Er aufgericht'.
Er liebet alle Frommen, /
und die Ihm günstig seind,
die finden, wenn sie kommen, /
an Ihm den besten Freund.

7. Er ist der Fremden Hütte, /
die Waisen nimmt Er an,
erfüllt der Witwen Bitte, /
wird selbst ihr Trost und Mann.
Die aber, die Ihn hassen, /
bezahlet Er mit Grimm,
ihr Haus und wo sie saßen, /
das wirft Er um und um.

8. Ach ich bin viel zu wenig, /
zu rühmen Seinen Ruhm;
der Herr allein ist König, /
ich eine welke Blum.
Jedoch weil ich gehöre /
gen Zion in Sein Zelt,
ist's billig, daß ich mehre /
Sein Lob vor aller Welt.

Musikalische Grüße in der Osterzeit

Kirchenlied "Wir wollen alle fröhlich sein"

Dies ist unser bekanntestes Osterlied: voller Freude erzählt es die Geschichte von der Auferstehung Jesu. Die leicht tänzerische Melodie bekräftigt diesen Jubel. Gleichzeitig ist die Melodie einprägsam und gut singbar. Das mag dazu beigetragen haben, dass dieses Lied seit vielen Jahrhunderten so populär ist.

Das Auferstehungslied des Autors Cyriakus Spangenberg (1528 - 1604), dass in unseren Ostergottesdiensten einen festen Platz hat, steht im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 100.

Michael Zagorni spielt die Orgel der Petruskirche.

1. Wir wollen alle fröhlich sein
in dieser österlichen Zeit;
denn unser Heil an Gotte leit.
Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

2. Es ist erstanden Jesus Christ,
der an dem Kreuz gestorben ist;
ihm sei Lob, Ehr zu aller Frist.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja.
Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

3. Er hat zerstört der Höllen Pfort,
die Seinen all herausgeführt
und uns erlöst vom ewgen Tod.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja.
Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

4. Es singt der ganze Erdenkreis
dem Gottessohne Lob und Preis,
der uns erkauft das Paradeis.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja.
Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

5. Des freu sich alle Christenheit
und lobe die Dreifaltigkeit
von nun an bis in Ewigkeit.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja.
Gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Musikalische Grüße in der Passionszeit

Passionschoräle von Johann Sebastian Bach

Die Passionen von J. S. Bach sind eine Vertonung der Leidensgeschichte Jesu. Während in den Rezitativen der biblische Text vorgetragen wird, stellen die Choräle jeweils Ruhepunkte dar, der Chor kommentiert das Geschehen aus der Distanz.

Hören Sie einige bekannte Passionschoräle aus den Bach'schen Passionen, gespielt von Michael Zagorni an der Orgel im Gemeindesaal am Ostpreußendamm:

Christus, der uns selig macht (aus der Johannes-Passion)
O Haupt voll Blut und Wunden (aus der Matthäus-Passion)
Ach Herr, lass dein lieb Engelein (aus der Johannes-Passion)

 

Kirchenlied "Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du für uns gestorben bist"

Dieses bald 500 Jahre alte Lied gehört bis heute zu unseren wichtigsten Passionsliedern. Es hat eine schlichte Melodie. Der Text ist kurz: in nur vier Strophen wird die Bedeutung der Pasionsgeschichte zusammengefasst. Der Text endet mit dem zuversichtlichen Ausblick auf das ewige Leben.

Im Gesangbuch steht das Lied unter der Nummer 79, im katholischen Gotteslob unter der Nummer 178.

Michael Zagorni spielt die Orgel im Gemeindesaal am Ostpreußendamm.

 

1. Wir danken dir, Herr Jesu Christ,
dass du für uns gestorben bist
und hast uns durch dein teures Blut
gemacht vor Gott gerecht und gut

 

2. und bitten dich, wahr Mensch und Gott:
Durch deine Wunden, Schmach und Spott
erlös uns von dem ewgen Tod
und tröst uns in der letzten Not.

 

3. Behüt uns auch vor Sünd und Schand
und reich uns dein allmächtig Hand,
dass wir im Kreuz geduldig sein,
uns trösten deiner schweren Pein

 

4 und schöpfen draus die Zuversicht,
dass du uns wirst verlassen nicht,
sondern ganz treulich bei uns stehn,
dass wir durchs Kreuz ins Leben gehn.

 

Kirchenlied "Ach bleib' mit deiner Gnade"

Mit dem Sonntag "Invokavit" – in diesem Jahr am 21. Februar - beginnt die siebenwöchige Passionszeit, in der Jesu Weg zur Kreuzigung aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und bedacht wird.  Am Anfang der Passionszeit – der Leidens- und Fastenzeit –  stehen die biblischen Versuchungserzählungen. Versuchungen widerstehen: mit Gottes Hilfe gelingt es. Das Kirchenlied „Ach bleib mit deiner Gnade“  ist das festgelegte Wochenlied, dass thematisch den inhaltlichen Schwerpunkt aufnimmt, den das Evangelium (Matthäus 4,1-11) für den Sonntag Invocavit setzt.

Ach bleib mit deiner Gnade - das Lied mit seiner eingängigen, schlichten Melodie besitzt sechs Verse, die in gleicher Weise aufgebaut sind. Sie ergeben zusammen ein Gebet, jede Strophe bringt einen neuen Begriff:

Bleib mit deiner Gnade...
Bleib mit deinem Worte...
Bleib mit deinem Glanze...
Bleib mit deinem Segen...
Bleib mit deinem Schutze...
Bleib mit deiner Treue...

Der Text entstand im Jahre 1627, geschrieben von Josua Stegmann, einem lutherischen Theologen an der Universität Rinteln. Im Evangelischen Gesangbuch ist das Lied unter der Nummer 347, im katholischen Gotteslob unter der Nummer 436 zu finden.

Michael Zagorni spielt die Orgel im Gemeindesaal am Ostpreußendamm.

Eine Jazz-Version des Liedes „Ach, bleib mit Deiner Gnade" gespielt von Till Brönner und Dieter Ilg können Sie hier hören.

1. Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr, Jesu Christ,
dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.

2. Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser Wert,
dass uns sei hier und dorte dein Güt und Heil beschert.

3. Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht;
dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht.

4. Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr:
dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehrt.

5. Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held,
dass uns der Feind nicht trutze noch fäll die böse Welt.

6. Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott;
Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not.

Musikalische Grüße in der Vorpassionszeit

Es ist das Heil uns kommen her

Die Zeit vor der Passionszeit

Im frühen Mittelalter wurde im Kirchenjahr der Fastenzeit eine Vorfastenzeit vorangestellt. Bei uns spricht man von der Vorpassionszeit – ein Puffer zwischen der Epiphanias- und der Passionszeit. Sie dient wie jede Fastenzeit dazu, sich auf die Grundlagen des Lebens zu besinnen, auch durch die Lieder. In diesem Jahr umfasst sie zwei Sonntage: Sexagesimä (60 Tage vor Ostern) oder auch 2. Sonntag vor der Passionszeit am 7. Februar und Estomihi am 14. Februar. Wie viele Sonntage die Vorpassionszeit umfasst, hängt jeweils vom Osterdatum ab. Es können bis zu fünf Sonntage sein, sie kann allerdings auch vollständig entfallen. Dies wird allerdings erst im Jahre 2285 passieren.

Es ist das Heil uns kommen her

Der Text dieses Liedes ist eine Zusammenfassung der lutherischen Lehre, er beginnt mit dem Grundsatz "Wir gelangen zum Heil alleine durch den Glauben an Jesus Christus." Gedichtet hat den Text Paul Speratus, ursprünglich Domprediger in Würzburg. Nachdem er sich der lutherischen Lehre anschließt, muss er mehrmals fliehen, dabei gelangt er eine Zeitlang nach Wittenberg.

Hier entsteht das Lied, vermutlich, nachdem er Luther kennengelernt hatte. Das Lied erscheint in Luthers "Achtliederbuch" von 1524 und gehört zu den wichtigen Gesängen der Reformationszeit aus Luthers Umgebung.

Im Gesangbuch steht das Lied unter der Nr. 342. Michael Zagorni spielt die Orgel im Gemeindesaal am Ostpreußendamm.

1. Es ist das Heil uns kommen her
von Gnad und lauter Güte;
die Werk, die helfen nimmermehr,
sie können nicht behüten.
Der Glaub sieht Jesus Christus an,
der hat für uns genug getan,
er ist der Mittler worden.

 

2. Was Gott im G’setz geboten hat,
da man es nicht konnt halten,
erhob sich Zorn und große Not
vor Gott so mannigfalten;
vom Fleisch wollt nicht heraus der Geist,
vom G’setz erfordert allermeist;
es war mit uns verloren.

 

3. Doch musst das G’setz erfüllet sein,
sonst wärn wir all verdorben.
Drum schickt Gott seinen Sohn herein,
der selber Mensch ist worden;
das ganz Gesetz hat er erfüllt,
damit seins Vaters Zorn gestillt,
der über uns ging alle.

 

4. Und wenn es nun erfüllet ist
durch den, der es konnt halten,
so lerne jetzt ein frommer Christ
des Glaubens recht Gestalte.
Nicht mehr denn: »Lieber Herre mein,
dein Tod wird mir das Leben sein,
du hast für mich bezahlet.«

 

5. Daran ich keinen Zweifel trag,
dein Wort kann nicht betrügen.
Nun sagst du, dass kein Mensch verzag
– das wirst du nimmer lügen -:
»Wer glaubt an mich und wird getauft,
demselben ist der Himmel erkauft,
dass er nicht werd verloren.«

 

6. Es ist gerecht vor Gott allein,
der diesen Glauben fasset;
der Glaub gibt einen hellen Schein,
wenn er die Werk nicht lasset;
mit Gott der Glaub ist wohl daran,
dem Nächsten wird die Lieb Guts tun,
bist du aus Gott geboren.

 

7. Die Werk, die kommen g’wißlich her
aus einem rechten Glauben;
denn das nicht rechter Glaube wär,
wolltst ihn der Werk berauben.
Doch macht allein der Glaub gerecht;
die Werk, die sind des Nächsten Knecht,
dran wir den Glauben merken.

 

8. Sei Lob und Ehr mit hohem Preis
um dieser Guttat willen
Gott Vater, Sohn und Heilgem Geist.
Der woll mit Gnad erfüllen,
was er in uns ang’fangen hat
zu Ehren seiner Majestät,
dass heilig werd sein Name;

 

9. sein Reich zukomm; sein Will auf Erd
g’scheh wie im Himmelsthrone;
das täglich Brot noch heut uns werd;
woll unsrer Schuld verschonen,
wie wir auch unsern Schuldnern tun;
lass uns nicht in Versuchung stehn;
lös uns vom Übel. Amen.

Musikalische Grüße in der Epiphaniaszeit

Strahlen brechen viele aus einem Licht

Das Lied Strahlen brechen viele aus einem Licht - nach dem schwedischen „Lagorna är manga, ljuset är ett“ - ist durch die Thematik und die verschiedenen Strophen universell im Kirchenjahr einsetzbar. Da es bereits im Podcast-Gottesdienst am 3. Sonntag nach Epiphanias zu hören war, soll es an dieser Stelle noch einmal kurz vorgestellt werden.

Dieses recht junge Lied aus unserem Gesangbuch (EG 268) dichtete der schwedische Pfarrer Anders Frostenson im Jahre 1974. Der Text bezieht sich auf den 1. Brief des Paulus an die Korinther, wo Paulus im 12. Kapitel von der Einheit der Christen schreibt "Es sind verschiedene Gaben, aber es ist ein Geist".

Besonders mit dem schwedischen Originaltext hat die Melodie einen volksliedartigen, leichten Charakter. In der Tonart E-Moll wird der Leitton dis vermieden, dies ist ein kleiner Anklang an sehr alte Musik aus der Zeit um 1500.

Michael Zagorni spielt das Choralvorspiel auf der Orgel im Gemeindesaal am Ostpreußendamm. Eine Version zum Mitsingen finden Sie hier.

1. Strahlen brechen viele aus einem Licht.   
Unser Licht heißt Christus.
Strahlen brechen viele aus einem Licht - 
und wir sind eins durch ihn,

 

2. Zweige wachsen viele aus einem Stamm.   
Unser Stamm heißt Christus.
Zweige wachsen viele aus einem Stamm - 
und wir sind eins durch ihn.

 

3. Gaben gibt es viele, Liebe vereint.   
Liebe schenkt uns Christus.   
Gaben gibt es viele, Liebe vereint -   
und wir sind eins durch ihn.

 

4 Dienste leben viele aus einem Geist,   
Geist von Jesus Christus.   
Dienste leben viele aus einem Geist -   
und wir sind eins durch ihn.

 

5 Glieder sind es viele, doch nur ein Leib.   
Wir sind Glieder Christi.   
Glieder sind es viele, doch nur ein Leib - 
und wir sind eins durch ihn.  

Wie schön leuchtet der Morgenstern

Am 6. Januar ist Epiphanias, der Tag an dem das Licht des Sterns die Weisen aus dem Morgenland zu Jesus führt. Die Finsternis gewinnt den Sieg über die Nacht. Und das Licht durchdringt auch die Epiphaniaszeit. Jesus wird zum ersehnten Morgenstern, der nun nach den Lichtern der Weihnachtszeit jeden Morgen neu zu sehen ist.

"Wie schön leuchtet der Morgenstern" - nachweihnachtliche Musik, gespielt von Kantor Michael Zagorni auf der Orgel im Gemeindehaus am Ostpreußendamm.

Der evangelische Pfarrer Philipp Nicolai (* 10. August 1556 in Mengeringhausen; † 26. Oktober 1608 in Hamburg) dichtete den Text und komponierte die Melodie dieses Liedes um 1590 in Unna. Er gibt ihm den Titel "Ein geistlich Braut-Lied der gläubigen Seelen/ von Jesu Christo jrem himlischen Bräutgam".

In einer Zeit, als die Pest wütet, schrieb er einen tröstlichen Text mit Bildern aus der Offenbarung, wo das ewige Leben als ein großes Hochzeitsfest beschrieben wird, mit Jesus Christus als dem Bräutigam. Jesus Christus ist der Morgenstern, der noch in der Nacht den Tag ankündigt, der schon im Dunkeln als verheißungsvolles Licht aufscheint.

Im Evangelischen Gesangbuch ist das Lied unter der Nummer 70, im katholischen Gotteslob unter der Nummer 357 zu finden.

 

1. Wie schön leuchtet der Morgenstern
voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn,
die süße Wurzel Jesse.
Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm,
mein König und mein Bräutigam,
hast mir mein Herz besessen;
lieblich,
freundlich,
schön und herrlich,
groß und ehrlich,
reich an Gaben,
hoch und sehr prächtig erhaben.

 

2. Ei meine Perl, du werte Kron,
wahr? Gottes und Marien Sohn,
ein hochgeborner König!
Mein Herz heißt dich ein Himmelsblum;
dein süßes Evangelium
ist lauter Milch und Honig.
Ei mein
Blümlein,
Hosianna!
Himmlisch Manna,
das wir essen,
deiner kann ich nicht vergessen.

 

3. Gieß sehr tief in das Herz hinein,
du leuchtend Kleinod, edler Stein,
mir deiner Liebe Flamme,
daß ich, o Herr, ein Gliedmaß bleib
an deinem auserwählten Leib,
ein Zweig an deinem Stamme.
Nach dir
wallt mir
mein Gemüte,
ewge Güte,
bis es findet
dich, des Liebe mich entzündet.
4. Von Gott kommt mir ein Freudenschein,
wenn du mich mit den Augen dein
gar freundlich tust anblicken.
Herr Jesu, du mein trautes Gut,
dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut
mich innerlich erquicken.
Nimm mich
freundlich
in dein Arme
und erbarme
dich in Gnaden;
auf dein Wort komm ich geladen.

 

5. Herr Gott Vater, mein starker Held,
du hast mich ewig vor der Welt
in deinem Sohn geliebet.
Dein Sohn hat mich ihm selbst vertraut,
er ist mein Schatz, ich seine Braut,
drum mich auch nichts betrübet.
Eia,
eia,
himmlisch Leben
wird er geben
mir dort oben;
ewig soll mein Herz ihn loben.

 

6. Zwingt die Saiten in Cythara
und laßt die süße Musika
ganz freudenreich erschallen,
daß ich möge mit Jesulein,
dem wunderschönen Bräut?gam mein,
in steter Liebe wallen.
Singet,
springet,
jubilieret,
triumphieret,
dankt dem Herren;
groß ist der König der Ehren.

 

7. Wie bin ich doch so herzlich froh,
daß mein Schatz ist das A und O,
der Anfang und das Ende.
Er wird mich doch zu seinem Preis
aufnehmen in das Paradeis;
des klopf ich in die Hände.
Amen,
Amen,
komm, du schöne
Freudenkrone,
bleib nicht lange;
deiner wart ich mit Verlangen.